Nicht ganz Königsblauäugig.

Nachdem sich gestern bereits alle Blogger die Finger wund getippt hatten, um möglichst schnell über die schrecklichen Erlebnisse aus Gelsenkirchen zu berichten, hat ManegeFrei etwas Zeit verstreichen lassen.

Vor einiger Zeit habe ich ein Buch gelesen. Es trug den Titel „Die Ultras“ – von Jonas Gabler. Es war wohl eines der ersten Bücher, welches der Subkultur wirklich mehr als nur in Ansätzen gerecht wurde. Schon damals beim Lesen des Buches fiel mir eine Textpassage besonders auf: noch nie wurde in einem deutschen Fußballstadion ein Block wegen eines politischen Transparentes, einer Fahne o.ä. gestürmt. Gestürmt durch Sicherheitskräfte oder die Polizei. [Wer die textstelle parat hat, möge sie mir nennen!]
Unmittelbar stiegen mir Bilder der „Juden“ – Zaunfahne aus Cottbus oder der „Sieg Heil“-Aktion der gleichen Fans beim Spiel gegen den FC Sankt Pauli in den Kopf.
Nicht selten zeigen Fans mit, nennen wir es rechtsoffenen Fanszenen, den Hitlergruß, wenn Fanlager aus dem linken Spektrum zu Gast sind – alles politische Taten, die einen Polizeieinsatz meist nicht nur rechtfertigen würden, sondern eigentlich notwendig machen. Argumentiert wird dann allerdings meist damit, dass man deeskalierend wirken und den Vorfall nicht eskalieren lassen wollte.

In Gelsenkirchen sah das gestern grundlegend ähnlich aus. Zumindest aus Sichtweise der Polizei.
Diesen gingen wohl von einem möglichen Platzsturm der etwa 2500 griechischen Fans aus, um eine provozierende Fahne eigenhändig aus der Nordkurve zu entfernen – auf die Problematik dieser Zaunfahne gehe ich später ein.
Es drohte also offenbar ein Horrorszenario – 2500 Griechen, die nur ein Ziel im Kopf haben: die Nordkurve auf Schalke. „Schwerverletzte und Tote“ waren vorprogrammiert. Wirft man einen genaueren Blick auf die Situation erscheinen schon zwei Faktoren merkwürdig:

Wenn die Polizei sowohl Ursprung der zu erwartenden Ausschreitung, wie auch das Ziel des etwaigen Platzsturmes kennt – Wieso kann sie diesen nicht (durch Deeskalation und Präventivmaßnahmen) verhindern? Seit Jahren positionieren sich Polizeiketten vor den Blöcken von Fußballfans, um einen Platzsturm zu verhindern. & dieses Konzept wirkt. Niemand ist so blöd und sprintet in eine Polizeikette, die aussieht wie eine Kette aus bewaffneten Robotern, die gleich in den Krieg ziehen.
Gleichzeitig wirkt es schlichtweg surreal, wenn man wirklich annimmt, dass der komplette Gästeblock inkl. Oma, Opa, Kleinkind und Rollstuhlfahrern den Platz entern wird – wegen eines Stück Stoffes. Auf den Videosvergangener Ausschreitungen von PAOK beim Heimspiel gegen Rapid Wien im letzten Jahr, finden sich maximal 500 Randalierer. Laut Polizei soll Auslöser der Ausschreitungen wohl die gleiche Fahne gewesen sein [Obwohl jeder wohl weiß, dass die Provokation eher seitens einer Gate13-Fahne ausgingen].

Die Idee seitens der Gelsenkirchener Polizei „Wir gehen stark darein, (…) damit von vornerein nichts passiert.“, dürfte wohl auch eher von einem geringen IQ-Wert zeugen. Es ist völlige Utopie, zu denken, dass eine starke Polizeipräsenz im Umkehrschluss eine Passivität der Ultras zur Konsequenz hat. Vielleicht war und ist es weiterhin viel mehr die Absicht der Polizei ein Angstbild zu erzeugen und so den Repressionsapparat weiter zu stärken. Wohl eher unter dem Motto: Zeigen wir ihnen einfach wer der Stärkere ist.
Obwohl… Die Polizei ging nach eigener Aussage, nach „Ermessensabwegung“ davon aus, dass die Art ihres Eingreifens die „absolut mildeste und erfolgreiche [Taktik] um Sicherheit zu gewähren“ war. So kann man es auch ausdrücken.

Nun wurde also eine Seite beleuchtet. Die Seite einer Medaille, die natürlich die ist, die mehr Entsetzen ausgelöst hat. Bleibt allerdings bisher im Dunkeln, worum es bei diesem Stück Stoff überhaupt ging.

Ist es wirklich nur eine „einfache Provokation“ seitens der Ultras Gelsenkirchen und ihren Freunden gewesen oder steckt mehr hinter dieser Fahne?
An dieser Stelle eine lange Aufzählung geschichtlicher Fakten zu leisten, würde den Artikel nur noch länger machen, daher eine Kurzfassung:

Auf der Fahne der Ultras aus Skopje ist der Stern von Vergina abgebildet. Ein nationalistisches Symbol sowohl für Griechen, wie auch für Mazedonier. Es ist korrekt, dass der Staat Mazedonien zeitweilig dieses Symbol auf seiner Landesflagge abbildete, nach diplomatischen Konflikten mit Griechenland allerdings durch ein anderes ersetzte. Es ist zwar nicht gänzlich geklärt, welche genaue Herkunft der Stern von Vergina hat, jedoch sehen die Griechen in ihm ein Abbild des antiken mazedonischen Staates, der eben auch Teile des heutigen Griechenlands umfasst, insbesondere das Gebiet Makedonien in dem auch Thessaloniki, die Stadt aus der PAOK kommt, liegt. In Folge der diplomatischen Krise zwischen Mazedonien und Griechenland änderte Mazedonien im Übrigen nicht nur die Landesflagge, sondern auch die Verfassung, die zuvor immer wieder durch Griechenland als Aufruf zum Separatismus der mazedonischen Minderheiten (in Griechenland) gedeutet wurde.

Hinter dem Symbol stecken also tief verwurzelte nationalistische Ansichten und es wäre absolut verkürzt, die Zaunfahne der Komiti schlichtweg auf ein Stück Stoff zu reduzieren.

Die Polizei sprach am heutigen Tag von gezielten Provokationen durch die Gelsenkirchener Ultras bzw. ihre Freunde aus Mazedonien und dieser Tatbestand lässt sich wohl nicht von der Hand weisen. Es ist korrekt, dass diese Fahne auch bei anderen Spielen u.a. sogar gegen griechische Vereine am Zaun der Nordkurve hing – die Brisanz und Wirkung dieser Fahne in diesem Spiel wird den Personen allerdings bewusst gewesen sein. Bewusst alleine aus dem Grunde, weil sie den Stern von Vergina als Symbol wählten. Die Wahl dieses Symbol zeugt eben auch von der Ideologie, die in den Köpfen steckt. Und, dass die Komiti Skopje, bzw. die Anhänger von Vardar bei weiten keine Unschuldslämmer sind, zeigen Aufnahmen mit mehr als eindeutigen rechtsextremen bzw. rassistischen Symbolen.

Seitens der Nordkurve wurde also offenbar bewusst durch zeigen nationalistischer Symbole versucht, die Gäste aus Thessaloniki zu provozieren. Dass dies nicht der erste Vorfall war, beweist das Auswärtsspiel des S04 in Israel vor einigen Jahren, wo ebenfalls provozierende Flaggen in Richtung der israelischen Fans gezeigt wurden.

Einen sicherlich gewagten Ansatz bildet nun der Schluss: die zügige Aufklärung durch diverse Videozusammenschnitte, u.a. seitens der Ultras, zeigen qualitativ hochwertige Aufnahmen vom Vorbereiten der polizeilichen Maßnahmen. Ist es hier nicht eine Frage des Schutzes von unbeteiligten Personen, wenn man einen nahenden Polizeieinsatz erkennt, die Folgen zu minimieren. Sprich: die Fahne abzunehmen und ggf. den Block zu verlassen? Es ist nicht die Lösung und es gibt keinen richtigen Weg, aber er wäre schmerzfrei(er) gewesen.

Abschließend sollten noch ein paar Dinge klargestellt werden: es ist in keinster Weise so, dass ich das Vorgehen der Polizei in irgendeiner Art und Weise toleriere. Nein, viel mehr finde ich es absolut zum Kotzen. Die Aussagen von Verantwortlichen der Polizei bringen dabei das Blut fasst zum Kochen. Doch es bleibt am Ende ein Blick auf beide Seiten zu richten. & auf beiden Seiten finden sich Ansätze zur Diskussion.

Weitere Interessante Links zum Thema:
Videoaufnahmen der Pressekonferenz der Gelsenkirchener Polizei
Radio-Interview mit der Polizeisprecherin
Videodokumentation seitens der Ultras Ge
Berichte auf SpiegelOnline: Eskalation auf Schalke, Streit um den Stern von Vergina
Polizeibericht zum Spiel und den Vorfällen
Artikel aus der FAZ
Artikel aus der Zeit
Turus-Bericht
Publikative-Artikel

& es gibt ihn doch noch.

Nun ist es also (wieder einmal) passiert. Das Thema, welches die deutschen Fußballstadien doch längst verlassen hatte – so dachten zumindest wohl die meisten. Doch insgesamt reiht es sich bloß in eine lange Geschichte ein. Duisburg, Aachen, Braunschweig. Dort waren es immer wieder Konflikte politischer Art, die Fangruppen aus dem Stadion drängten oder gar zur Auflösung zwangen.
Schon in diesen drei Fällen wurde die Kritik an der politischen Gruppe, oft war es ein Engagment gegen Rechtsextremismus und Rassismus, durch die übrigen Stadionbesucher geduldet oder noch unterstützt. Im aktuellen Fall findet sich die Quelle wohl sogar im „ganz normalen Zuschauer“.
Beim Fall da Costa geht es nicht um Ultras, Hooligans oder eine organisierte rechtsradikale Fangruppe, wie sie beim TSV 1860 seit Jahren im Block 132 steht. – Wir finden uns also nicht einmal im Osten Deutschlands wieder – sondern in Bayern. Und es dreht sich auch nicht um einen Dortspielplatz, sondern ein Spiel der zweiten Bundesliga.

Opfer der rassistischen Anfeindungen war der Ingolstädter Da Costa.
Es ist ein Vorfall. Doch er zeigt viel mehr. Er zeigt, dass dieser Rassismus da ist. Das er propagiert wird und das nur marginal wirklich aktiv gegen ihn vorgegangen wird. Ein Stadionsprecher ruft zu Respekt und Fairness auf. Wohingegen immerhin der Mitspieler später klare Worte findet: Einen dunkelhäutigen Gegenspieler permanent als ‚Scheiß N***r‘ , ‚Zurück in den Busch‘ zu beschimpfen und mit Affenlauten zu begleiten zeigt nur, dass Euer IQ knapp über dem eines verbrannten Toastbrotes liegt. Schließt euch zu Hause ein und labert mit dem rassistischen Müll euren Wandteppich voll, aber verschont uns alle mit dem Gedankengut

Doch was zeigt all dies? Hinter dieser Entwicklung steckt ganz offenbar, ohne diesen einen Vorfall überzubewerten, eine ideologische Festigung von Diskriminierung. Nachdem vergangene Woche ein Sinti und Roma – Verband darum gebeten hat, den begriff Zigeuner-Soße bzw. Schnitzler aus der Produktpalette zu streichen, gab es teilweise ekelerregende Artikel und Kommentare. Ein wahrlich zum Erbrechen anregender Artikel erschien in der Bild-Zeitung.

Hier wird gegen politische Korrektheit argumentiert, um seit Jahrzehnten etablitierten Rassismus bzw. Antiziganismus zur Akzeptanz zu bringen. Es werden Städtename und Sinnwörter mit diskriminierenden Thesen verstrickt und aus der „Wörtersuppe“ hinterher munter gefischt – getreu dem Motto: Das war schon immer so. Hört uns auf mit der politischen Korrektheit.
Ich persönlich werde mit zukünftig dann auch das Recht heraus nehmen jeden deutschen als „Nazi“ zu titulieren. Ganz einfach.

Bei den meisten Leuten stößt man auf Kopfschütteln. & durch politische Korrektheit scheint es fast so, als würde man Formen der Diskriminierung beinahe fördern. Otto Normal wird innerlich wohl denken: Was macht diesen Zigeuner besser, sodass sogar eine Soße umbenannt werden muss.

In Berlin – Hallersdorf wird in den kommenden Tagen ein Flüchtlingsheim eröffnet. „Warum ausgerechnet bei uns?“, fragen sich die Bürger. „Warum wo anders?“, frage ich zurück. In den Deutschen steckt der Rassismus immer noch. Das Fußballspiel in München zeigte nur wieder einen – von vielen – Ausbrüchen.

Fast so gut, wie die echte Sportschau.

The right guard?

Der allseitsa bekannte Fernsehsender DMax ist nun sicherlich nicht unbedingt ein Paradebeispiel für lohnendes Fernsehen. Seit dort allerdings „1000 Wege ins Gras zu beissen“ und die SHow mit den beiden Amerikanern, die lauter Storage aufkaufen läuft, wirft man doch ab und an einen Blick darauf. & allseits beliebt, zeigt der „Männer-Sender“ dann auch die tolle Werbung mit Bastian Schweinsteiger.

Komischerweise erinnert mich dieser Satz immer wieder an die Aussage: „Ein deutscher Junge weint nicht.“ – Stalingrad ’43. Okay, in Wahrheit kommt er in „Das Wunder von Bern“ vor. Doch darum geht es nicht. Vielmehr soll es um einen Zeitungsartikel im Tagesanzeiger aus der Schweiz gehen. Denn im Gegensatz zu Herrn Schweinsteigers Resistenz gegen das Weinen, geht man dort anders an die Sache heran, sehr lesenswert: Die schwule Ästhetik der Fußballer.

Wasted time. Sommerpause.

Kurz vor der Sommerpause – Mensch denkt nicht in Monaten, sondern in fußballfreien Zeitabschnitten – verließ uns der Wille zum Schreiben und eröffnet war der Reflexionsprozess.
Grundsätzlich sicherlich ein ganz passabel gewählter Zeitpunkt, gleichzeitig gab es natürlich einige interessante Themen, die trotzdem durch die Welt und ihre Öffentlichkeit geisterten. Die vergangenen drei Monate nun komplett zu rekapitulieren würde einen enormen Aufwand mit sich bringen und Raum für Aktuelles und Neues versprerren. Die Inhalte und Geschehnisse möchten wir Euch trotzdem nicht vorenthalten.

Weit oben auf der Agenda stand die Vorstellung der DFB-Brochüre zum Thema Homophobie. Nicht zuletzt seit dem Outing von Robbier Rodgers und dem Fluter Interview mit einem homosexuellen Bundesligaprofi ein immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rückendes Thema. Die Brochüre? Da wurde wirklich Basisarbeit, tief auf dem Grund des Meeres geleistet. Offenbar mussten selbst erst noch Begriffsdefinitionen ausgegraben werden. & das steht dann leider selbstredend für das wahre Standing. Gänzlich klein reden wollen wir den guten Willen nun trotzdem nicht, allerdings gab es auch einige kritische Artikel in diversen Medien.
So gab es in der Zeit einen Kommentar mit dme Titel „Gegen Homophobie? Später vielleicht!“ und auch die Queer-Fanclubs veröffentlichten eine Stellungnahme: Schwules Outing? Verein, übernimm Du! Außerdem gab es noch eine sehr interessante Berichterstattung aus der Schweiz, die sich insbesondere mit der Situation im Land und dem Verhalten des Schweizer Fußballverbandes auseinandersetzt, aber auch den Blick nach England richtet: Schwule im Profifussball – das grosse Tabu.

Wenn schon über den DFB eingeleitet wurde, nutzen wir den ehemaligen Sicherheitsvorsitzenden Helmut Spahn direkt auch zum Überleiten. Dieser gab nämlich in Österreich in sehr interessante Interview, welches wohl auch verdeutlicht, weshalb Herr Spahn seinen Platz beim DFB räumen musste. „‚Der Fußball wird mit Maßnahmen überfrachtet, um gesellschaftlichte Probleme zu lösen“ – & hier der Rest des Interviews.

In Sachen Fußball und Fankultur setzten sich insbesondere Die Taz mit der Jugenkultur der Ultras auseinander – Teil einer Jugendbewegung, während die Welt unter dem zum Schmunzeln anregendem Titel „Always Ultras“ einen Blick auf die mediale Berichterstattung warf.

Zum Abschluss gibt es noch zwei Empfehlungen für einen Text zum Thema „Viagogo“, der aus Dortmund stammt: Mein Deal mit Viagogo und die schöne Geschichte des Andreas Lambertz aus der Zeit: Lumpi, halb Maskottchen, halb Fußballer.
Ganz zum Schluss unserer „Zusammenfassung“ steht dann natürlich die Saisonbilanz 2012/2013 von Baff.

Weil bald Sommerpause ist…

Musste mal gesagt werden.

Horidos lebt weiter!

In der Nacht vom 3. auf den 4. April wurde in das Vereinsheim der Sportfreunde Ronhof e.V. eingebrochen. Sämtliche relevante Zaunfahnen, sowie einige Schwenkfahnen unserer Gruppe wurden entwendet, indem mehrere Türen aufgebrochen wurden. Dies stellt für uns den härtesten Einschnitt in unserem nun fast sechsjährigen Bestehen dar und wir benötigten einige Tage, um uns nun zu Wort zu melden.

Der Schock sitzt nach wie vor tief und wird für immer Spuren in uns hinterlassen, die durch nichts und niemanden rückgängig gemacht werden können. Wir sehen uns folglich bis auf’s Weitere außer Stande, unseren Aktivitäten im Stadion wie gewohnt nachzukommen. Außer Stande, da uns nach wie vor eine Mischung unterschiedlichster Gefühle und Emotionen daran hindert. Wir wissen nicht, wann sich diese Starre löst, wir wissen nicht, wie viel Zeit wir benötigen. Eines wissen wir jedoch:

Es geht weiter! Wir machen weiter! Horidos lebt weiter! Ihr mögt unsere Fahnen haben; unsere Gedanken, unsere Beziehungen untereinander, unsere Werte und Ideale, unsere Ziele und Träume habt ihr nicht – ihr werdet sie niemals bekommen, ihr werdet sie uns niemals entreißen, ihr könnt sie nicht einmal verstehen.

Sie passen nicht in euer enges, verkapptes – ja gar reaktionäres und destruktives – Weltbild. Ein Weltbild, das euch besagt, „in Franken nur der FCN“, und das durch das Drehen, Biegen und Verschieben von Tatsachen, nach denen alle FürtherInnen und insbesondere Horidos „Lutscher“, „Fotzen“ oder mittlerweile auch „Juden“ sind, die sowieso nur Kindergarten machen und mit Bullen labern, konkrete Realisierung erfährt. Welche Affekte und Triebe bewegen Menschen, die sich durch an Vernichtungswahn grenzenden blinden Hass gegenüber anderen definieren, sich zeitgleich jedoch gegenüber der „Mainstreamgesellschaft“ als etwas „ehrenhaftes“ und „rebellisches“ darstellen und verstehen?

Selbstverständlich, und das betonen wir mit Nachdruck, gelten diese Ausführungen nicht für die gesamte Nürnberger Fan- oder Ultraszene und selbstverständlich sind AnhängerInnen der Spielvereinigung nicht automatisch die besseren Menschen. Dennoch ist das Fass schon lange übergelaufen, im Grunde wurde es schon seit Langem umgestoßen, immer und immer wieder. Hausbesuche, das Auflauern vor Schule und Arbeitsplatz, Attacken auf und das Abdrängen von Autos auf Autobahnen, Abfangen auf Heimwegen und vieles mehr sind Realität und haben das Ziel, uns kaputt zu machen. Drückt sich so der Slogan „Freiheit für Ultras!“ aus?

Nun habt ihr uns auch durch diese Aktion nicht vernichtet, was kommt also als nächstes? Was passiert, wenn es „keine Regeln“ mehr gibt? Wo führt das hin? Muss erst jemand liegen bleiben, damit ihr aufwacht?

Ultrà ist facetten- und abwechslungsreich. Ultrà kann so wunderschön sein, wenn der Kopf eben nicht durch einen Fußball ersetzt wird. Wir werden uns in keine Logiken verstricken, die uns aufdiktiert werden sollen und welche wir zutiefst ablehnen. Wir werden weiterhin tolle Momente erleben, schwierige Phasen durchlaufen, Fehler machen und aus diesen lernen. Wir werden unseren Weg weiter gehen!

Horidos 1000 im April 2013.

via Block 12