Maybe. Someday.

Balkanroute. Ein Reisebericht?

Ich bin in den vergangenen zwei Wochen auf dem Balkan gewesen. Unmittelbar an Punkten der sogn. „Balkanroute“. In den Medien finden wir jeden Tag erschreckende Bilder, die oft doch so weit entfernt sind. Hier, in Deutschland, sorgt man anders vor: brennende Asylunterkünfte bestimmen die „schockierenden“ Bilder. Rassismus ist wieder salonfähig geworden und ich frage mich schon: Wann brennt das erste Gebäude mit Menschen drin? Wann wird es passieren, dass die Polizei das erste Mal den rassistischen Mob nicht mehr aufhalten kann?

Meine Reise führte mich nach Albanien, Serbien und Ungarn. Nach Belgrad und Budapest.
Wir lesen und sehen so viel, aber so nah und ergreifend wie dort, erlebt es hier niemand.

Wenn wir von Flüchtlingen, mit denen wir uns das Zimmer im Hostel teilen, gefragt werden, weshalb wir hier seien – schließlich sei es in Deutschland doch viel schöner – fehlt einem die Antwort.

Wenn man abends im Hostel sitzt, eine syrische Familie mit zwei kleinen Kindern hereinkommt, die mehrere Tage nicht geschlafen hat – und das Hostel sie abweist, weil ihnen ein einziges Dokument, auf welchem ein Polizist lediglich Name und Geburtsdatum einträgt, fehlt, fällt es schwer nebenbei ein Wasser zu trinken.

Wenn vier kleine Kinder auf dem Bürgersteig an einer Hauptstraße, direkt neben den ausgelaufenen Dixi-Toiletten auf dem kalten Asphalt ohne Decken schlafen, ist man nur noch über sich selbst erschüttert.

Wenn vor einem an der Kasse im Supermarkt ein Flüchtling die Kassiererin anfleht, sein Mobiltelefon aufzuladen, damit er mit seiner Familie in Kontakt bleiben kann, versteht man sich selbst irgendwann nicht mehr.

Wenn mitten im Nirgendwo ein Grenzzaun aus Nato-Draht Menschen zurückhalten soll. Wenn mitten auf dem Autobahnseitenstreifen Familien ausgesetzt werden, fühlt man sich machtlos.

Viele Dinge lassen sich nicht in Worte fassen. Viele Gefühle kannte man so vorher gar nicht. Was ist schon Selbstreflexion, wenn ich in meinem warmen Zimmer am Computer sitze, diesen Text tippe, Cola trinke und jederzeit in mein Bett gehen kann? Was kann ich geben? Ich habe alles. Viel zu viel. Doch loslassen kann ich auch nicht.

Kranke Welt. Kranke Menschheit.

Ohne das ist es nur noch leise.

Und zum Abschluss weinte sogar die Decke des Uebel&Gefährlich. Bratze beerdigte sich selbst, bei lebendigem Leib und es war wunderschön, wunderschön normal. Beinahe zumindest.

Es brach über mich wie eine Welle, als Kevin und Norman im Juni zu ihrem Abschiedskonzert einluden und dieses gefühlt binnen Sekunden ausverkauft gewesen ist. Ich erinnerte mich noch an ein einzigartiges Konzert der beiden auf dem Hurricane Festival – parallel zu Deichkind dürfte das gewesen sein. 200 Zuschauer? White Stage. In jedem Fall eines der schönsten meiner Bratze Konzerte. Und nun wollten die bei Tschüss sagen? Offenbar hat sich ClickClickDecker zu sehr in den Tierpark Neumünster verguckt.

Irgendwie sollte es mir dann wirklich auch gelingen Eintritt zur Beerdigung zu erhalten und ein letztes Mal in Mnch zu feiern, mit Risiko Diabolo zu spielen und Flaschen auf Beton zu werfen.

Bratze war nie mehr als eine Band, die nah, authentisch und einfach wirkte. Beinahe als sei es den beiden Jungs gelungen irgendwie Bratze zu sein und zu gleich völlig sie selbst zu bleiben. Bratze, Clickclickdecker und TanteRenate. Die letzten beiden fand ich irgendwie auch nie so toll, aber beide zusammen waren unschlagbar. Wenn Kevin mit seinem hate.-Shirt in seinem eigenen Schweiß badete, während Norman eher einem Beatle glich, der die Zeit verschlafen hatte.

Und selbst die Bundesrepublik hatte anlässlich dieses Ereignisses einen Feiertag ausgerufen – ein würdiger Rahmen, den Bratze elegant ausgestaltete, nämlich ganz Bratze-typisch: gar nicht. Gar nicht soll nicht gar nicht heißen, sondern vielmehr: Bratze wie sie all die Jahre auch waren.

Keine großen Gäste, keine großen Reden, keine Besonderheiten, aber dafür jede Menge echter Herzschmerz. Jede Menge ehrlicher Spaß an der eigenen Beerdigung. Bratze war die letzte Bastion von Audiolith und nun sind sie tot. Es war auch ein Abschied von meiner (Audiolith)-Jugend.
Begleiteten mit Bands wie Bratze, Egotronic, Saalschutz und auch Frittenbude schon einige Jahre, so hat sich doch nun mittlerweile vieles verändert.

Hinter mir standen einige junge Mädels, die laut-kreischend ihre Liebe zu Bratze, Johannes Rögner und Captain Capa herausbrüllten. Das reiht sich dann in eine Reihe mit den Jugendlichen in Deutschland-Trikots auf Egotronic-Konzerten, „Ausziehen!“-Rufen auf Frittenbude-Konzerten und anderen Schauergeschichten, die auf Audiolith-Konzerten mittlerweile Alltag sind. Audiolith ist mittlerweile wohl Business. Während Johnny Mauser, Findus und Co. dort mittlerweile unter Vertrag stehen, will Egotronic sich weiterentwickeln und wird auch nicht jünger. Es wird aalglatt und das ist selbst mir dann irgendwann zu spießig. Doch es war schön. Es waren viele unvergessliche Momente, tolle Konzerte und ich bin mir sicher, dass viele auch heute noch ähnliche Geschichten erleben – es sei ihnen gegönnt.

Für den Bedarfsfall mache ich ein paar Zeilen frei.

Wir sind Welt.Macht.Meister

Es war so gegen Mitternacht. Die Nachbarn hatten sich wieder beruhigt und ihr Feuerwerk war verschossen – und auch Christoph Kramer konnte sich immerhin wieder an den Geburtstag seiner Oma erinnern. Es war toll. Bis Bastian Schweinsteiger noch einmal das Mikrofon umklammern und ein paar letzte Worte loswerden musste: „Ganz spezieller Gruß, wirklich an einen Mann, der, ich glaube, ohne den wären wir alle nicht hier, das ist Uli Hoeneß. Vielen Dank für Ihre Unterstützung und wir glauben daran, dass alles gut wird und unterstützen Sie sehr.“
Das war nicht nur vom Satzbau völliger Müll, sondern zeugt euch von der Dummheit eines Bastian Schweinsteigers – ich hätte diesen Satz viel lieber von Dr. Müller-Wohlfart gehört. Mag das Interview von Christoph Kramer noch als „süß“ bezeichnet werden, da er immerhin an seine Oma denkt, bietet Schweinsteiger wahrlich nur ganz viel Zeit zum Kopfschütteln. Vielleicht mag es auch einfach nur daran liegen, dass er in den letzten Minuten des WM-Finals gehörig auf die Socken und auch den Kopf bekommen hatte, aber da sticht noch eine andere Situation heraus: Irgendwo im Jubel auf dem Platz begegneten sich die beiden „Best-Buddies“ Poldi und Schweini und wagten es, sich vor den Augen von Vladimir Putin, zu küssen. Äääh: FAST zu küssen. So wird diese Aktion im Internet in den Himmel gelobt, obwohl sie doch etwas vollkommen anderes suggeriert:
Beide schließen die Augen und täuschen einen Kuss vor, ehe Schweinsteiger den Kopf schüttel, sich abwendet und mahnend den Zeigefinder erhebt – ganz als wolle er sagen: Männer küssen? Ich würde nicht einmal meinen „besten Freund“ Poldi küssen.
Bravo! Applaus! Da wurde dann noch einmal ganz groß und für die ganze Welt sichtbar mit Schwulenfeindlichkeit gespielt.
Diese Geschichten kennt man aber doch längst von Bildern die Uli Hoeneß vor dem Antritt seiner Haftstrafen zeigten.
Wenn man an dieser Stelle ehrlich ist, muss man aber auch sagen, dass der Fußballweltverband FIFA den beiden deutschen Spieler im Grunde eine Einladung für eine solch umwerfende Geste ausgesprochen hatte. Immerhin hatten u.a. die mexikanischen Anhänger im Spiel gegen Kamerun deren Torwart – mehr als eindeutig hörbar – als „puto“, spanisch „Schwuchtel“, bezeichnet. FARE hat diese Beleidigung, die auch auf unzähligen Videos hörbar ist, dokumentiert und an die FIFA weitergeleitet – diese entschied jedoch, dass der Begriff „in diesem spezifischen Kontext nicht als beleidigend angesehen“ werde. Was für schwindelige Fifa-Flöten.
Das mehrere Fans der deutschen Mannschaft sich zum Spiel gegen Ghana das Gesicht schwarz anmalten und ein weiße T-Shirts mit der Aufschrift „Ghana“ trugen, muss wohl nicht weiter erklärt werden. Aber ey, ihr habt doch sicher alle die geile Jesus-Statue im Sonnenuntergang gesehen, oder? Geil. Und sowieso viel wichtiger.
Im Gegensatz zu Jesus, der seinen Mann stand, ein Kreuz durch die Wüste trug, sich daran festnageln lies – ohne Betäubung wohlgemerkt – um die Schuld von uns allen auf sich zu nehmen, standen bei der WM jede Menge verweichlichte Warmduscher auf dem Platz.
Wenn ein Neymar bei der Nationalhymne mehr Tränen vergießt, als sämtliche Teams bei der WM Tore schießen, wie soll es dann mit dem Titel klappen? Unser aller Lieblingskommentator Bela Rethy stellte unmittelbar mit Abpfiff des Halbfinals eben sehr treffend fest: „Einige Spieler nehmen es mit Männlichkeit (…).“ – und andere beten. Aber nun einmal ganz im Ernst. Ich finde es sehr, sehr positiv Fußballern solche Emotionen zuzugestehen. Hier wird sich wegbewegt von den gängigen Klischees des „harten Männersportes“ – so wurde eben auch die angebliche Härte immer wieder kritisiert. Sowas gibt’s? Bela fand es jedenfalls nicht so toll.
Umso bewegender waren dafür die Worte von David Luiz, der sich nach dem sang und klanglosen Ausscheiden bei den Brasilianern entschuldigte, deren leidenden Menschen er eigentlich Freude bereiten wollte. Trotzdem möchte ich mich da der allgemeinen Meinung anschließen, dass man nur über die emotionale Schiene und mit Leidenschaft eben nicht Weltmeister werden kann.

Weltmeisterlich hingegen war von Anfang an die FIFA. Omnipräsent, und verdammt reich. Da wurde jedem Spieler sogar extra ein neuer Kopfhörer spendiert – wenn der gute Joseph den nicht sogar selbst bezahlt hat oder doch etwa sein Neffe, dessen Firma die FIFA seit langem mit der TV-Vermarktung beauftragt? Dieser Haufen von Anzugträgern macht sich wirklich über jeden Müll Gedanken und schränkt einfach alles ein – wobei ich mich wirklich immer wieder wundere, welche Gegenstände dort mit in die Stadien kommen. In Deutschland würde ich damit nicht einmal die Partie SV Schalding-Heining : SV Seligenporten in der Bayernliga sehen dürfen.
Wieso aber in aller Welt, ist diese Organisation nicht in der Lage eine Schar von Fotografen zu kontrollieren bzw. auszusperren, um der Gewinnermanschaft des Finals wenigstens eine kurze Stippvisite bei den Fans zu ermöglichen? Gegen den Sprint sämtlicher Fotografen wäre sogar Usain Bolt chancenlos – so wurden Neuer und Co., ist meine Lieblingsphrase, nachdem sie das Spielfeld verlassen hatten und sich der Tribüne näherten, wahrlich von einem überdimensionalen Knäuel aus Sony, Nikon und Canon erdrückt. Verwunderlich, dass außer einer Sony überhaupt eine Kamera in Stadion durfte.
Verbuchen wir das einfach unter dem Aspekt der Vermarktung und da ist die FIFA immerhin Vize-Weltmeister. Direkt hinter dem DFB. Der DFB hatte nämliche gleich mehrere Asse im Ärmel:

Am Anfang war Oliver Bierhoff, bei dem hat sich der Kommentator des Finals nachher sogar noch ausdrücklich bedankt, der eine Vision hatte: „Ey, lass uns doch einfach mal ne eigene Hütte bauen!“
Die Vision wurde natürlich auch umgesetzt, lediglich das Geld, um die alte Gammel-Fähre zu ersetzen fehlte dann irgendwie. Aber bisschen Abenteuer muss ja auch sein. Dieses Abenteuer konnte man dann super Vermarkten indem man sein Quartier quasi als eigenes Dorf verkaufe und sich super mit den Einheimischen verstand – Okay, ich finde es auch sinnvoll, ein passendes WM-Quartier zu nutzen und sich nicht komplett von der Außenwelt abzuschotten. Aber so cool, wie Sulley Muntari, der durch die Slums lief und Geld verschenkte, ist es dann doch nicht.
Richtig lustig wird die ganze Geschichte aber erst, wenn man den Wikipedia-Artikel – der Laden hat wirklich einen – liest:
a) Der Trainingsplatz für das Team wurde einfach in einem Naturschutzgebiet errichtet, Bedenkzeit der Behörde bis zur Genehmigung: zwei Wochen.
b) Das Campo Bahia wirbt mit einem Privatstrand, obwohl die laut brasilianischer Verfassung eigentlich verboten sind.
c) Der Besitzer von dem Laden hat 2010 ein Hilfsprogramm für Cracksüchtige unterstützt.
Neben der gammeligen Fähre, die wohl doch nur gemietet wurde, fehlte auch das Geld für ein Medienzentrum. Gerüchten nach zur Folge durften die Journalisten aber trotzdem im Pool baden und zahlreiche Bilder von Katrin Müller-Hohenstein zeigen diese beim Planschen mit deutschen Nationalspielern – immer dabei: die Kamera und das Mikrofon!

Spätestens als bei der Siegerehrung und den Feierlichkeiten danach die Spielerfrauen auf dem Platz standen, Prinz Poldi mit seinem Sohn eine Runde kicken ging – ich hatte die ganze Zeit Angst, dass der kleine Junge die Medaille von Poldi irgendwo verliert – und Miro mit seinen Söhnen ein paar Fotos knipste, war die familienfreundliche Inszenierung perfekt. Copacabana, Familie, Weltmeister – Was gibt es schöneres?

Die FIFA konnte da mit ihrem Torlinientechnik – No Goal – ihrem Freistoßspray und den schlechten Schiedsrichtern nicht ansatzweise mithalten. Und mit den kommenden Turnier in Russland und Katar stehen ihr in Zukunft auch noch zwei weitere starke Kontrahenten gegenüber, die sicher alles tun werden, um sich bestmöglich zu verkaufen und mehr bieten werden wollen, als es die FIFA kann.
Ein erster Schritt wäre es eben, die Schiedsrichter zu schulen. Urs Meier sagte es ganz richtig, dass es durch den falschen Elfmeterpfiff im ersten WM-Spiel ein sehr schwieriges Turnier für die Unparteiischen wird, weil sie nun unter genauester Beobachtung stehen würden.
Leider findet sich keine vollständige Liste, aber es gab sehr wenige Spiele, in denen man den Schiedsrichtern eine vernünftige Leistung bescheinigen kann.

Aber wen stört es am Ende, dass Christoph Kramer sich an sein wichtigstes Spiel gar nicht mehr erinnern kann, wohingegen Bastian Schweinsteiger für immer eine Narbe unter dem Auge tragen wird – beide Gegenspieler aber für ihre Fouls nicht bestraft wurden? Eben, niemanden.

Am Ende sind wir wieder eine Weltmacht – Ups, dass war die Autokorrektur meines iPads – Weltmeister und das kann uns keiner nehmen.

Kalter Kaffee. Kochendheiß.

Es war der 14. Janaur, als ManegeFrei unter dem Titel „Etwas das bleibt.“ einige Worte zur Auflösung der Aachen Ultras schrieb.
Es war ein Text, der sich auf der anfangs mit der mit der Quelle der Politik in den deutschen Stadien auseinandersetzt, denn der Blogger Cantona-Superstar hatte zuvor so treffend formuliert: „Politik fängt an, wo Diskriminierung gedacht und letztlich in die Tat umgesetzt wird (…).“ Korrekt. Er beendete seine Ausführungen mit den Worten „Never give up!“, die damals unter rein menschlichen Aspekten bzw. dem präventiven Selbstschutz bedingt auch kritisiert wurden. Zugegebenermaßen kann ich heute noch jeden verstehen, der schlichtweg sagt: „Ich habe kein Bock mehr. Kein Bock darauf, dass ich nicht mehr sicher ins Stadion gehen kann. Immer damit rechnen muss überfallen und verprügelt zu werden.“ Ob dies nun eine Kapitulation oder bloß eine Resignation bedeutet, ist Pünktchenkackerei. Die Auflösung der Aachen Ultras hatte offenbar kurzfristig wirklich eine mediale Empörung ausgelöst – kurzfrstig. Denn diese Empörung ebbte schnell wieder ab. Die Karlsbande Ultras kehrte in Aachen ins Stadion zurück, der Verein stürzte in die Regionalliga ab und nun ist wieder alles totenstill.

Nicht so an anderen Orten. In Braunschweig stieg der BTSV mit dieser Saison in die erste Liga auf. Ein Verein in dem es seit eh und je im Grunde rechte Tendezen in der Fanszene gibt, die u.a. dafür sorgten, dass die Ultras Braunschweig sich aus der Fanszene isolierten, bzw. vielmehr isoliert wurden. Einhergehend mit den Stadionverboten für die gesamte Gruppe (durch den Kampf für eine seperate „Ultras Curva Nord“) und dem Fernbleiben im Stadion über mehrere Jahre wurde dieser Konflikt lange Zeit aufgeschoben. Doch nun ist UB doch schon seit einiger Zeit wieder im Stadion zugegen.
Mal hier, mal dort. Mal auf der Nord sitzend, mal neben dem Gästeblock stehen.
Angriffe auf UB waren auch während ihrer Abwesenheit „die Regel“. So wurden sie beispielweise bei einem Handballspiel von Nazi-Hooligans attakiert und litten immer wieder unter Bedrohungszenarien. Wer und was hinter diesen rechten Aktivitäten steckt, wurde in Braunschweig mit Hilfe der Initiative gegen rechte Hooligan-Strukturen sehr gut recherchiert, analysiert und publik gemacht – störte allerdings nur wenige im Verein. Denn die sahen ein solches Problem keineswegs. Als Holger Apfel (Bundesvorsitzender der NPD) in aller Seelenruhe die Meisterschaft auf dem Spielfeld feierte gab es – natürlich nach medialer Empörung – im Nachhinein ein Stadionverbot. Glückwunsch.

Stattdessen forderte man seitens des Vereins und des Fanprojekts vor dem Spiel in Gladbach am Freitagabend, dass die Ultras Braunschweig sich nicht weiterhin isoliseren sollten.
Gesagt, getan. Gesagt, versucht. Versucht, gescheitert. Die Ultras stellten sich in Gladbach vor Ankunft des Sonderzuges wirklich in den oberen Teil des Gästeblockes. Als besagter Zug inkl. dem Rest der Fanszene dann in Gladbach eintraf, fanden die es offenbar aber nicht so toll.
Unter antisemtischen, sexistischen und anderen Beleidigungen, sowie Schlägen, Tritten, Becherwürfen etc. wurden sie dann „unter dem Schutz der Ordner“ aus dem Block gebracht. Ende war dann allerdings noch lange nicht. Das politische Theater der Nazis und ihrer Anhängerschaft erstreckte sich bis weite nach Spielende. Lediglich die Polizei und der Einsatz von Pfefferspray, sowie die eigene Verteidigung konnten schlimmeres verhindern.
Doch aufstecken, wie es in Aachen geschehen ist, wollen die Ultras Braunschweig nicht:

Wir werden nicht damit aufhören, gegen rechte Umtriebe und Diskriminierung vorzugehen. Wir werden uns nicht den Einschüchterungsversuchen gegenüber unsere Gruppe beugen und aufhören Spiele unserer Eintracht zu besuchen und das Team zu unterstützen. Unsere Liebe zu unserem Verein und auch unsere antifaschistischen Grundwerte sind stärker als eure Gewalt.“

Never give up fighting!

MangeFrei hat ganz bewusst auf viele Zitate verzichtet, vielmehr soll es als Anregung dienen zwei sehr gute Texte zur Fortführung zu lesen.
Erstens die Stellungnahme der Ultras Braunschweig und zusätzlich einen Kommentar aus dem Transparent Magazin.

Nachtrag.

Ganz ehrlich? Mich nervt dieses Thema mittlerweile gewaltig. Der Polizeieinsatz rund um das Spiel Schalke 04 vs. PAOK, ich verweise auf einen vorherigen Beitrag dazu, hier.

Es nervt mich schlichtweg ganz gewaltig, weil einfach niemand irgendetwas aus dieser Sache gelernt hat und diese Sache in der geringsten Form reflektiert. Einzige Ausnahme belibt da wohl Herr Dembowski, der einen sehr schönen Kommentar im Spiegel geschrieben hat. Damit hat es sich dann aber auch mit den Ausnahmen.
Stattdessen regieren auf der einen Seite höchpopulistische Aussagen von Polizeigewerkschaftern, der offenbar nicht einmal jetzt – nachdem die halbe Welt wirklich gegen sie wettert – kapieren, dass sie a) entweder bessere ihre Fresse halten oder b) sich entschuldigen und einen auf menschlich machen, à la „Es war ein Fehler…“ – selbst wenn sie es nicht einmal ernst meinen.
Auf der anderen Seite stehen da die unschuldigen Ultras aus Gelsenkirchen, die noch in der Nacht des Spiels am eine Stellungnahme veröffentlichten und mittlerweile bei rund vier Stück angekommen sind – Word sagt: 3700 Wörter. Ach und da habe ich die zwei Videos beinahe vergessen – finde ich aber top.

Noch besser ist nur, dass die Jungs und Mädels nun bei jedem Spiel diese verkackte Fahne mit dem Stern aufhängen und das auch noch unfassbar lustig und politisch korrekt finden. Die haben offenbar einiges gelernt. & gelernt habe auch ich:

Die Polizeigewerkschaft ist wahrlich zu dumm zum Kacken. Die Ultras GE… die sind es auch. Echt jetzt. & damit lege ich das Thema ad acta.

Wie man es macht.

Die letzten Tage habe die Bevölkerung immer mehr auf dem Wahltermin 22. September hingewiesen – bestes Zeichen: ab heute kann man endlich auf den ersten Wahlwerbespot „Der Partei“ warten.
Solange müssen wir uns alle mit allerlei Überfluss beschäftigen, doch wie man das tut zeigen einige Impressionen sehr gut. Grundsätzlich gilt aber eines:

21.08.2013 berlin-kreuzberg: pro deutschland-kundgebung und gegenproteste #21

Erst wer diese Message verstanden hat, darf sich zur Wehr setzen! Auf geht’s.

Proteste gegen eine Kundgebung der NPD in Berlin-Hellersdorf - 20.08.2013 - IMN_7286

In diesem Sinne: Geld für Sinti und Roma, statt Verschwendung an Oma. Denn Oma, Opa und Hans Peter – keine Opfer sondern Täter. Aber das kennt ihr ja.