Meine Augen sind geschlossen. Schon seit einigen Sekunden verweilen sie in diesem Zustand. Ich merke zunehmend, wie ich vor Überwältigung das Atmen fast vergessen habe.

Ich sitze im Stadion. Wahrscheinlich neunte oder zehnte Reihe, genau habe ich sie nicht gezählt. Der Wind pfeift mir aus allen Ecken um die Ohren, was mich letztendlich aber nicht weiter stört, denn angenehme Temperaturen lassen mich entspannt auf meiner Sitzschale ruhen. Rund 35.000 Zuschauer erheben sich von ihren Plätzen, da die Mannschaften jetzt auf den Platz kommen.

Erste Bengalen leuchten in rot, Rauchschwaden ziehen über die Tribünen. Aus dem Stehbereich hinter dem Tor ertönen leise Gesänge, die mehrteilige Choreographie zeigt ihren Anfang. Der laute Knall eines Böllers lässt mein Herz schneller schlagen, während weitere Bengalen gezündet werden und mittlerweile im ganzen Stadion zu sehen sind. Wurfrollen aus dem Oberrang durchdringen die Wand, die der blaue Rauch in nur wenigen Sekunden aufgebaut hat, und fallen auf die Laufbahn neben dem Rasen. Erneut werden die Pappen der Choreo gedreht und schaffen ein ganz neues Bild.

Die Gäste ziehen von unten eine Blockfahne über die Köpfe und machen sich auf diese Weise bemerkbar. Klangvolle Gesänge breiten sich nun auf das gesamte Stadion aus, ich sehe lauter fröhliche Menschen, die sich im weiten Rund bewegen. Schließlich der Höhepunkt: Überall brennen rote Fackeln, die Ränge sind in ein Meer aus Fahnen, Wurfrollen, Konfetti und Pyrotechnik getaucht, während der Rauch die Sinne etwas zu täuschen versucht. Die nun schon mehrere Minuten andauernde Choreographie neigt sich dem Ende, die Lautstärke der euphorischen Gesänge nimmt noch weiter zu, ehe ein weiterer Knallkörper den Anpfiff des Schiedsrichters kommentiert.

Ein Gefühl, das ich Reizüberflutung nenne, überkommt mich. Das Spiel hat begonnen – ich bin am Ende.