Archiv für März 2016

Tiefpunkte.

Das Leben hat gute und schöne Seiten. Während ich in Patras auf der Fähre stand und im Hafen die Polizei versuchte Flüchtlinge davon abzuhalten sich unter den LKW’s zu verstecken wurde ich mir meiner Privilegien wieder einmal bewusst.

Wir bestiegen die Fähre gen Bari für gute 20h. Unterwegs fand ich nicht nur einen Ausweis, sondern auch ein iPhone- und gab beides ab. Kharma und so.
10 Minuten vor der eigentlichen Ankunft erkundigten wir uns dann mal, ob die Sache in Sachen Pünktlichkeit auch hinkommt. Natürlich nicht. Die Tendenz ging in 1,5h Verspätung – was per Durchsatz auch circa 15 Minuten nach der eigentlichen Ankunft mitgeteilt wurde. Fein, dass daraus dann gute zwei Stunden wurden.

In Bari öffnete der Himmel dann seine Pforten für uns und machte uns sprichwörtlich bis auf die Unterhose nass. Nach einer unbequemen Nacht, kaum Essen und einem verpassten Bus, war das Balsam auf unsere Seelen.
Es half also nur ein Taxi zum Busbahnhof und der Kauf einer neuen Fahrkarte mit gleichzeitigem Verzicht auf unseren Aufenthalt in Neapel.
Völlig im Eimer und mit mieser Laune schlief man dann auch ein. Immerhin sollte einen früh morgens eine warme Dusche aus den Federn holen – doch falsch gedacht. Pünktlich um 07:30 Uhr brüllte ein zitternder Körper das B&B wach, weil das Wasser kalt blieb. Selbst die Espresso -Maschine bediente einen nur mit lauwarmer Brüche und das Unheil War vollkommen.

Immerhin die Bahn nach Neapel kam und der sagenumwobene Untergrund sollte uns fesseln. 7 Euro ärmer und eine halbe Stunde später hieß es jedoch erneut : reingefallen. Sicher kein völliger Müll, nach drei kostenfreien Tagen in Athens antiken Stätten aber verdammt mau.

Der eigentliche Sinn dieser Tour blieb bekanntlich aber beim Fußball und so hieß es dann auch pünktlich per schöner Circumvesuviano: Aufbruch nach Castellamare di Stabia. Das Derby zwischen Juve Stabia und Beneventou stand an. Doch das ungute Gefühl und unser Glück sollten sich fortsetzen: am Stadion nur gute zwanzig Menschen mit Sporttasche. Auf unsere Frage nach einem Fußballspiel gab es die Antwort : Friendly match – first team against youth. Und das Derby? War gestern.
In mir brach alles zusammen.

Zwischen Unglück, Wut und Hass kam ein fixer Gedanke : sollte doch in Sorrento das Stadt-Derby steigen, welches man wegen diesem Spiel sausen ließ. Erneut ging es per Bahn gen Sorrento und im fixen Schritte zum Stadion.
Dort erwartete uns ein alter Herr und verkündete freudig: auf Sonntag verlegt!
Dieser Tiefschlag saß.

Man musste erkennen, dass Kharma wohl nicht alles ist. Ein Spiel verpasst, ein zweites verlegt – und das dritte ebenfalls angepeilte Spiel, welches bisher keine Erwähnung fand, da in der Planung nicht erreichbar – fand folglich ohne uns in einem wunderschönen Stadion am anderen Ende der Halbinsel statt.

Es War irgendwie ein Gefühl der Demut. Wir sanken müde in unserem Bett im Zimmer zusammen. Heute War nicht unser Tag. Jetzt half es wohl nur noch den Frust von der Seele zu schreiben – aber wie sollte es anders sein: der Laptop wir leer und die italienische Steckdose boykottiert unser Ladegerät – wohingegen es alles andere inkl. der Handys annahm.

Naja, was soll’s. Per Handy wollte man dann Mitleid in sozialen Netzwerken sammeln und bekam als erstes die Meldung angezeigt : Ultra-Gruppen in Casablanca verboten.

Warte… Wohin habe ich noch vor einer Woche meine nächste Reise gebucht? Casablanca.

Birra Morretti, Peroni – her damit. Prost!