Ohne das ist es nur noch leise.

Und zum Abschluss weinte sogar die Decke des Uebel&Gefährlich. Bratze beerdigte sich selbst, bei lebendigem Leib und es war wunderschön, wunderschön normal. Beinahe zumindest.

Es brach über mich wie eine Welle, als Kevin und Norman im Juni zu ihrem Abschiedskonzert einluden und dieses gefühlt binnen Sekunden ausverkauft gewesen ist. Ich erinnerte mich noch an ein einzigartiges Konzert der beiden auf dem Hurricane Festival – parallel zu Deichkind dürfte das gewesen sein. 200 Zuschauer? White Stage. In jedem Fall eines der schönsten meiner Bratze Konzerte. Und nun wollten die bei Tschüss sagen? Offenbar hat sich ClickClickDecker zu sehr in den Tierpark Neumünster verguckt.

Irgendwie sollte es mir dann wirklich auch gelingen Eintritt zur Beerdigung zu erhalten und ein letztes Mal in Mnch zu feiern, mit Risiko Diabolo zu spielen und Flaschen auf Beton zu werfen.

Bratze war nie mehr als eine Band, die nah, authentisch und einfach wirkte. Beinahe als sei es den beiden Jungs gelungen irgendwie Bratze zu sein und zu gleich völlig sie selbst zu bleiben. Bratze, Clickclickdecker und TanteRenate. Die letzten beiden fand ich irgendwie auch nie so toll, aber beide zusammen waren unschlagbar. Wenn Kevin mit seinem hate.-Shirt in seinem eigenen Schweiß badete, während Norman eher einem Beatle glich, der die Zeit verschlafen hatte.

Und selbst die Bundesrepublik hatte anlässlich dieses Ereignisses einen Feiertag ausgerufen – ein würdiger Rahmen, den Bratze elegant ausgestaltete, nämlich ganz Bratze-typisch: gar nicht. Gar nicht soll nicht gar nicht heißen, sondern vielmehr: Bratze wie sie all die Jahre auch waren.

Keine großen Gäste, keine großen Reden, keine Besonderheiten, aber dafür jede Menge echter Herzschmerz. Jede Menge ehrlicher Spaß an der eigenen Beerdigung. Bratze war die letzte Bastion von Audiolith und nun sind sie tot. Es war auch ein Abschied von meiner (Audiolith)-Jugend.
Begleiteten mit Bands wie Bratze, Egotronic, Saalschutz und auch Frittenbude schon einige Jahre, so hat sich doch nun mittlerweile vieles verändert.

Hinter mir standen einige junge Mädels, die laut-kreischend ihre Liebe zu Bratze, Johannes Rögner und Captain Capa herausbrüllten. Das reiht sich dann in eine Reihe mit den Jugendlichen in Deutschland-Trikots auf Egotronic-Konzerten, „Ausziehen!“-Rufen auf Frittenbude-Konzerten und anderen Schauergeschichten, die auf Audiolith-Konzerten mittlerweile Alltag sind. Audiolith ist mittlerweile wohl Business. Während Johnny Mauser, Findus und Co. dort mittlerweile unter Vertrag stehen, will Egotronic sich weiterentwickeln und wird auch nicht jünger. Es wird aalglatt und das ist selbst mir dann irgendwann zu spießig. Doch es war schön. Es waren viele unvergessliche Momente, tolle Konzerte und ich bin mir sicher, dass viele auch heute noch ähnliche Geschichten erleben – es sei ihnen gegönnt.

Für den Bedarfsfall mache ich ein paar Zeilen frei.