Archiv für September 2013

Kalter Kaffee. Kochendheiß.

Es war der 14. Janaur, als ManegeFrei unter dem Titel „Etwas das bleibt.“ einige Worte zur Auflösung der Aachen Ultras schrieb.
Es war ein Text, der sich auf der anfangs mit der mit der Quelle der Politik in den deutschen Stadien auseinandersetzt, denn der Blogger Cantona-Superstar hatte zuvor so treffend formuliert: „Politik fängt an, wo Diskriminierung gedacht und letztlich in die Tat umgesetzt wird (…).“ Korrekt. Er beendete seine Ausführungen mit den Worten „Never give up!“, die damals unter rein menschlichen Aspekten bzw. dem präventiven Selbstschutz bedingt auch kritisiert wurden. Zugegebenermaßen kann ich heute noch jeden verstehen, der schlichtweg sagt: „Ich habe kein Bock mehr. Kein Bock darauf, dass ich nicht mehr sicher ins Stadion gehen kann. Immer damit rechnen muss überfallen und verprügelt zu werden.“ Ob dies nun eine Kapitulation oder bloß eine Resignation bedeutet, ist Pünktchenkackerei. Die Auflösung der Aachen Ultras hatte offenbar kurzfristig wirklich eine mediale Empörung ausgelöst – kurzfrstig. Denn diese Empörung ebbte schnell wieder ab. Die Karlsbande Ultras kehrte in Aachen ins Stadion zurück, der Verein stürzte in die Regionalliga ab und nun ist wieder alles totenstill.

Nicht so an anderen Orten. In Braunschweig stieg der BTSV mit dieser Saison in die erste Liga auf. Ein Verein in dem es seit eh und je im Grunde rechte Tendezen in der Fanszene gibt, die u.a. dafür sorgten, dass die Ultras Braunschweig sich aus der Fanszene isolierten, bzw. vielmehr isoliert wurden. Einhergehend mit den Stadionverboten für die gesamte Gruppe (durch den Kampf für eine seperate „Ultras Curva Nord“) und dem Fernbleiben im Stadion über mehrere Jahre wurde dieser Konflikt lange Zeit aufgeschoben. Doch nun ist UB doch schon seit einiger Zeit wieder im Stadion zugegen.
Mal hier, mal dort. Mal auf der Nord sitzend, mal neben dem Gästeblock stehen.
Angriffe auf UB waren auch während ihrer Abwesenheit „die Regel“. So wurden sie beispielweise bei einem Handballspiel von Nazi-Hooligans attakiert und litten immer wieder unter Bedrohungszenarien. Wer und was hinter diesen rechten Aktivitäten steckt, wurde in Braunschweig mit Hilfe der Initiative gegen rechte Hooligan-Strukturen sehr gut recherchiert, analysiert und publik gemacht – störte allerdings nur wenige im Verein. Denn die sahen ein solches Problem keineswegs. Als Holger Apfel (Bundesvorsitzender der NPD) in aller Seelenruhe die Meisterschaft auf dem Spielfeld feierte gab es – natürlich nach medialer Empörung – im Nachhinein ein Stadionverbot. Glückwunsch.

Stattdessen forderte man seitens des Vereins und des Fanprojekts vor dem Spiel in Gladbach am Freitagabend, dass die Ultras Braunschweig sich nicht weiterhin isoliseren sollten.
Gesagt, getan. Gesagt, versucht. Versucht, gescheitert. Die Ultras stellten sich in Gladbach vor Ankunft des Sonderzuges wirklich in den oberen Teil des Gästeblockes. Als besagter Zug inkl. dem Rest der Fanszene dann in Gladbach eintraf, fanden die es offenbar aber nicht so toll.
Unter antisemtischen, sexistischen und anderen Beleidigungen, sowie Schlägen, Tritten, Becherwürfen etc. wurden sie dann „unter dem Schutz der Ordner“ aus dem Block gebracht. Ende war dann allerdings noch lange nicht. Das politische Theater der Nazis und ihrer Anhängerschaft erstreckte sich bis weite nach Spielende. Lediglich die Polizei und der Einsatz von Pfefferspray, sowie die eigene Verteidigung konnten schlimmeres verhindern.
Doch aufstecken, wie es in Aachen geschehen ist, wollen die Ultras Braunschweig nicht:

Wir werden nicht damit aufhören, gegen rechte Umtriebe und Diskriminierung vorzugehen. Wir werden uns nicht den Einschüchterungsversuchen gegenüber unsere Gruppe beugen und aufhören Spiele unserer Eintracht zu besuchen und das Team zu unterstützen. Unsere Liebe zu unserem Verein und auch unsere antifaschistischen Grundwerte sind stärker als eure Gewalt.“

Never give up fighting!

MangeFrei hat ganz bewusst auf viele Zitate verzichtet, vielmehr soll es als Anregung dienen zwei sehr gute Texte zur Fortführung zu lesen.
Erstens die Stellungnahme der Ultras Braunschweig und zusätzlich einen Kommentar aus dem Transparent Magazin.

Nachtrag.

Ganz ehrlich? Mich nervt dieses Thema mittlerweile gewaltig. Der Polizeieinsatz rund um das Spiel Schalke 04 vs. PAOK, ich verweise auf einen vorherigen Beitrag dazu, hier.

Es nervt mich schlichtweg ganz gewaltig, weil einfach niemand irgendetwas aus dieser Sache gelernt hat und diese Sache in der geringsten Form reflektiert. Einzige Ausnahme belibt da wohl Herr Dembowski, der einen sehr schönen Kommentar im Spiegel geschrieben hat. Damit hat es sich dann aber auch mit den Ausnahmen.
Stattdessen regieren auf der einen Seite höchpopulistische Aussagen von Polizeigewerkschaftern, der offenbar nicht einmal jetzt – nachdem die halbe Welt wirklich gegen sie wettert – kapieren, dass sie a) entweder bessere ihre Fresse halten oder b) sich entschuldigen und einen auf menschlich machen, à la „Es war ein Fehler…“ – selbst wenn sie es nicht einmal ernst meinen.
Auf der anderen Seite stehen da die unschuldigen Ultras aus Gelsenkirchen, die noch in der Nacht des Spiels am eine Stellungnahme veröffentlichten und mittlerweile bei rund vier Stück angekommen sind – Word sagt: 3700 Wörter. Ach und da habe ich die zwei Videos beinahe vergessen – finde ich aber top.

Noch besser ist nur, dass die Jungs und Mädels nun bei jedem Spiel diese verkackte Fahne mit dem Stern aufhängen und das auch noch unfassbar lustig und politisch korrekt finden. Die haben offenbar einiges gelernt. & gelernt habe auch ich:

Die Polizeigewerkschaft ist wahrlich zu dumm zum Kacken. Die Ultras GE… die sind es auch. Echt jetzt. & damit lege ich das Thema ad acta.