Oberflächlich, aber im Vordergrund

Reichlich die Gemüter wurden durch den letzten Artikel zu diesem Thema erhitzt – der Sturm hat sich gelegt, denn die Suppe ist gelöffelt. Ja: Der Iran hat die Atombombe und RedBull/RasenBallsport Leipzig hat die Fußballfans gegen Homophobie – Fahne.
Und: RB hat gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Homophobie, Gewalt und Rassismus – Bäh! Weg damit! Ach übrigens: Richtig so!

Es gab nun wirklich eine ganze Palette an Vorwürfen gegen diesen Blog. Ja, wir würden unsere antikommerzielle Haltung so sehr in den Vordergrund stellen, dass wir den Kampf gegen Homophobie ablehnen. Da fragt man sich doch wahrlich: Durch welche Worte haben wir Euch diese Meinung vermittelt? Wir kritisieren die Initiative bzw. die unreflektierte Aktion in Leipzig. Leider ist es wirklich so: Wir entziehen den Fans von RB Leipzig den Status als Fußballfans – genauso mache ich dies aber auch mit Fans anderer Vereine, RB bot sich nur als besonders geeignet an.

Nun kritisiere ich mich einfach einmal selbst: Durch diese These grenze ich offenbar Menschen bzw. Vereine aus (meiner) Fußballwelt aus. Ein nahezu diabolisches Verhalten. Auf die Betitelungen für diesen mir bewussten Gedankengang bin ich gespannt. Vielmehr aber auf Euer Statement: Was sind für Euch RB-Fans und wie sollte man mit Vereinen wie ihnen umgehen? Und kommt nicht wieder mit dem Argument das RB Leipzig vergleichbar ist mit dem FC Kaiserslautern, Eintracht Braunschweig oder Holstein Kiel.

Nahezu alle Aktionen die von Fanszenen in Zusammenhang mit der Fußballfans gegen Homophobie – Initiative durchgeführt wurden, lösten sich vom Vereinsbezug. Wer es nicht glaubt: Werft doch einen Blick auf die Bilder aus Hannover, Bremen, Göttingen, (Roter Stern) Leipzig oder Babelsberg. Was machen die Fans von RB?
Feiert den eigenen Verein hinter der geliehenen Zaunfahne & das gleich zwei Mal:


Okay, einmal war das tolle Spruchband gegen Gewalt, mit dem „Ach übrigens“-Teil dabei. Macht sich doch auch gut. Rassismus und Homophobie gehören verbannt, schlimm genug, dass man sich immer noch als „Unterstützer“ hervorbringen muss & dies nicht eine längst allgemein akzeptierte Haltung ist.
Aber Gewalt? Tolle Debatte.

Nun durfte sich also der kommerzielle Verein schlechthin präsentieren und gleichzeitig seine Haltung zum Thema Gewalt kundtun. Haben alle übrigen Unterstützer hier die gleiche Haltung? Oder setzt man hier Menschen an einen runden Tisch, deren Meinungen teilweise unvereinbar sind? Aber wie war das?

Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik – irgendwo finde ich mich da wieder. Nicht bei dieser verdreckten Rechtsrockband, sondern in einer unendlichen Debatte über die Authentizität der Initiative Fußballfans gegen Homophobie…


1 Antwort auf „Oberflächlich, aber im Vordergrund“


  1. 1 schreibenfuerdiewelt 19. Dezember 2011 um 0:59 Uhr

    Nun gut, wenn eine weitergehende Debatte gewünscht wird, will ich mich dem natürlich nicht verschließen.

    Dass der Kampf gegen Homophobie abgelehnt wird, habe ich nicht geäußert, drum kann ich dazu auch nicht Stellung beziehen.

    Um sich der Frage zu nähern, ob es bei RB Leipzig Fans gibt, sollte geklärt werden, was Fans überhaupt sind. Für mich sind Fans Menschen, die einen Verein unterstützen – ob nun durch Support, finanzielle Unterstützung, ehrenamtliches Engagement oder einfaches Mitfiebern spielt dabei keine Rolle. Deine Definition sieht wahrscheinlich ein wenig anders aus, drum möchte ich noch die klassische Geschichte vom Fanwerden bemühen: Irgendwann wird man vom Papi, Freund oder wem auch immer mit ins Stadion genommen und fortan interessiert man sich für den Verein und intensiviert sein Interesse an ihm, verfolgt weitere Spiele im Stadion oder zu Hause und identifiziert sich mit ihm. Und schon ist man Fan. Zum ersten mal ins Stadion gehen wohl die wenigsten, weil der Verein eine so tolle Tradition hat, sondern einfach aus Interesse. Wo da der Unterschied zwischen Leipzig, Ingolstadt, Halle oder St.Pauli liegt, würde ich gern einmal wissen. Jeder (Profi-)Verein verfolgt in einem unterschiedlichen grad finanzielle Interessen und muss dies tun. Du sprichst aus irgendeinem Grund pauschal Menschen, die zu einem bestimmten Verein gehen und eben (zufällig) nicht zu einem anderen, das Fansein ab und bezeichnest sie stattdessen als Kunden. Das halte ich für verkürzt. Interessant wäre hier auch, wo du die Grenze ziehst.

    Dass hinter der Homophobie-Fahne auch der eigene Verein gefeiert wird, ist m.M.n. ganz normal. Das passierte auch bei nahezu allen anderen Stationen. Gut, nicht bei allen gab es eine große Choreo, aber bei vielen wurde hinter der Fahne für den Verein gesungen. Also auch hier nur ein qualitativer Unterschied.

    Du betonst zudem, dass die Fahne geliehen ist. Würde es einen Unterschied machen, wenn die Fahne selbst gemalt oder gedruckt wäre? Das ist nunmal der Charakter des Projekts, Fans verschieder Vereine leihen sie sich für ein Spiel.

    Auch dass zum Thema Gewalt Position bezogen wird, scheinst du zu verurteilen. Ich finde die Debatte sehr sinnvoll und längst überflüssig. Gewalt im Grundsatz abzulehnen scheint mir vernünftig, wenngleich es sicherlich sinnvolle und gar notwendige Gewalt gibt. In den meisten Fällen ist sie das aber nicht und darum ist eine Ablehnung dieser begrüßenswert.

    Ja, der Verein durfte sich präsentieren. So wie es jeder andere auch durfte. Und so wie jeder andere zusätzliche Aktionen machen konnte, die nicht im direkten Zusammenhang stehen, haben das auch die Fans von RBL gemacht. Deswegen hat man aber noch lange nicht alle Fans in einen Topf geworfen. Um dies zu verhindern hätte es ein Meinungsäußerungsverbot für Themen, die über Homophobie hinausgehen, bei jeder Station geben müssen. Sonst würde man sich den Vorwurf auch bei anderen Themen und Vereinen einfangen.

    Zum Thema Fußball und Politik kann ich nur sagen, dass beides einfach nie trennbar ist. Drum ist mir auch rätselhaft, warum du diese Floskel bemühst, ist sie doch einfach nur stumpf.

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